BIPOLARE STÖRUNG

Bei der o.g. Erkrankung handelt es um eine affektive Störung, welche sich durch zwei extreme „Gefühlswelten“ äußert. Nach den Frühwarnzeichen einer hypomanen Phase folgt die Manie und der „Absturz“ in eine Depression, welche sich zumeist sehr lange hinzieht.  Man spricht auch von einer manisch-depressiven Störung.

Der Betroffene ist zwischen diesen extremen Intervallen oftmals über lange Zeit symptomfrei, die Angst vor einer erneuten Erkrankung scheint jedoch allgegenwärtig.

„Es ist so schwer die Mitte zu finden. Man fühlt sich, wie ein Baum ohne Wurzeln. Belastungen von oben, wie von unten, bringen mich ins Wanken.“

„Die eigene Selbsteinschätzung ist gestört. Was ist eine normale Gefühlsregung? Was ist schon ein Frühwarnzeichen? Die Angst vor einer neuen Episode ist sehr groß.“

Neben einer genetischen Disposition können auch Umwelteinflüsse, Lebenskrisen, Stress sowie häufiger und übermäßiger Alkoholkonsum auslösende Momente für diese psychische Erkrankung sein. Zudem wird von einer Störung im Gehirn bei der Informationsweitergabe ausgegangen. Zu den extremen Stimmungsschwankungen kommt es durch ein  Ungleichgewicht der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin (= Neurotransmitter) im Gefühlszentrum des Gehirns. In der manischen Phase besteht ein Transmitterüberschuss, ein Botenstoffmangel dagegen in der depressiven Phase. Folglich herrscht im symptomfreien Zeitraum eine ausgeglichene Konzentration.

Die bipolare Störung beginnt i.d.R. im jungen Erwachsenenalter, die euphorische, manische Phase ist zumeist kürzer als die nachfolgende depressive Episode.

Ein Hauptproblem dieses Krankheitsbildes ist die i.d.R  nicht vorhandene Krankheitseinsicht in der Manie. Sehr oft fühlen sich die Betroffenen nicht krank, so dass sie, obwohl sie Hilfe benötigen, diese ablehnen und sich einer Behandlung verweigern.

„ Die hypomane Phase nehme ich mittlerweile als Frühwarnzeichen an, befinde ich mich allerdings in der Manie, nehme ich das Krankheitsbild nicht an.“

„Ich bin in dieser Zeit sehr kreativ. Verliere mich jedoch irgendwann im Wust meiner Ideen. Ich schlafe sehr wenig. Werde zunehmend gereizter.“

Suizidalität ist Thema. Gerade der hohe Gefühlsabsturz von „himmelhochjauchzend“ zu wortwörtlich „zutodebetrübt“ ist seelisch oft kaum aushaltbar. Pflegerische Unterstützung gerade bei beginnender Stimmungsänderung hin zur Depression ist sehr wichtig. Unsicherheit, mangelndes Selbstwertgefühl, Antriebslosigkeit und Konzentrationsstörungen können Folgen dieser Krankheit sein.

Eine unterstützende, empathische jedoch zeitweise auch begrenzende sozio-therapeutische Begleitung und eine ausgewogene, mit dem Betroffenen abgesprochene medikamentöse Therapie sind aus Sicht der professionell Pflegenden Grundpfeiler einer aussichtsreichen Behandlung.

Wohingegen Misstrauen gegenüber der Medikation und Angst vor „Entmündigung“, Sorge vor dem nächsten „krankwerden“, schlechte Erinnerungen aus Voraufenthalten die Gedanken der anwesenden Betroffen zu prägen scheint.

„Ich muss Stress vermeiden. Suche Ruhephasen, die ich brauche um stabil zu bleiben.“

„Ich muss in depressiven Phasen stark sein, um nicht unterzugehen. Das heißt kämpfen.“

Wichtig ist ein geregelter Tagesablauf. Der Betroffene sollte ausreichend schlafen, möglichst nicht rauchen, und Alkohol- und Drogenkonsum vermeiden. Zudem sollte auf geringe Koffeinzufuhr geachtet werden.

Teil der Therapie ist auch, den Patienten klarzumachen, wie wichtig eine Vollmacht ist, wenn sich der Patient wieder in einer manischen oder depressiven Krankheitsphase befindet. Die Patienten können hier festlegen, welche Art der Behandlung sie in einer nicht zurechnungsfähigen Krankheitsphase wünschen und welche Person ihre Interessen vertreten soll.

Sehr hilfreich für Menschen, die unter einer bipolaren Störung leiden, sind Selbsthilfegruppen. Hier treffen sich gleichgesinnte Patienten regelmäßig auf neutralem Boden und sprechen über ihre Sorgen und Probleme. Die Patienten erfahren hier, dass auch andere Menschen die gleichen Probleme haben und fühlen sich hier verstanden.

Ein solcher Austauschplatz ist auch das Aachener Psychose-Forum.

Der nächste Termin ist Dienstag, 12.09.2017 //  18:00 -19:30 Uhr.

Jörg